„KI-Führerschein“ klingt nach einer Pflicht, die jeder im Betrieb ablegen muss, bevor er ChatGPT öffnen darf. Das ist es nicht. Was dahintersteckt: Der Begriff ist nicht geschützt, und es gibt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Nachweis dieser Art. Verschiedene Anbieter nutzen den Namen für ihre Kurse, von kostenlosen Online-Angeboten bis zu Seminaren der Industrie- und Handelskammern. Was die KI-Verordnung in Artikel 4 tatsächlich verlangt, sind Maßnahmen für die KI-Kompetenz der Beschäftigten. Ein Zertifikat gehört ausdrücklich nicht dazu. Ein guter Kurs kann trotzdem sinnvoll sein, wenn er zu Ihren Werkzeugen und Aufgaben passt.
Woher der Begriff kommt
Seit Februar 2025 verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung, dass Betriebe, die KI beruflich einsetzen, etwas für die KI-Kompetenz ihrer Leute tun. Seit Juli 2026 gilt der Artikel in einer neuen, etwas weicheren Fassung: Betriebe müssen Maßnahmen ergreifen, die die Entwicklung von KI-Kompetenz unterstützen. Ein bestimmtes Niveau jeder einzelnen Person ist nicht geschuldet.
Mit der Pflicht kamen die Angebote, und mit den Angeboten die Namen. „KI-Führerschein“ ist eingängig, weil jeder weiß, was ein Führerschein ist: eine Prüfung, ohne die man nicht fahren darf. Genau diese Vorstellung passt aber nicht. Es gibt keine Behörde, die einen KI-Führerschein ausstellt oder kontrolliert.
Was die Behörden sagen
Die EU-Kommission beantwortet die Frage in ihren Fragen und Antworten zur KI-Kompetenz direkt: Es braucht kein Zertifikat. Betriebe können eine interne Aufstellung der Schulungen und anderen Maßnahmen führen. Die Bundesnetzagentur, in Deutschland zuständig für die Aufsicht, schreibt ebenso, dass die KI-Verordnung keine Zertifizierungspflicht für Schulungen vorsieht. Sie empfiehlt aber, die Maßnahmen zu dokumentieren.
Was der Artikel genau verlangt, steht im Beitrag zur KI-Kompetenzpflicht.
Testen Sie Ihr Wissen
Mitmachen
KI-Führerschein: Mythos oder Fakt?
Vier Aussagen, die man oft hört.
Schulung besprechen 30 Minuten, kostenlos. Ihr Ergebnis steht schon in der Nachricht.
Woran Sie ein gutes Angebot erkennen
Ob es KI-Führerschein, KI-Kompetenzschulung oder einfach Workshop heißt, ist egal. Wichtig ist:
- Passt es zu Ihren Werkzeugen? Geschult werden sollte mit dem, was Ihr Betrieb nutzt oder nutzen darf.
- Wird geübt? Mehr als die Hälfte der Zeit sollte mit eigenen Aufgaben gearbeitet werden.
- Kommen Datenschutz und Regeln vor? Welche Daten in welches Werkzeug dürfen, gehört in jede Schulung.
- Gibt es eine Teilnahmebestätigung? Nicht als Zertifikat, sondern als Baustein Ihrer Dokumentation.
- Wie groß ist die Gruppe? Bei Übungen braucht jede Person Zeit für Fragen.
So dokumentieren Sie
Eine einfache Tabelle reicht: Datum, Art der Maßnahme, Inhalte in Stichworten, Dauer, Namen der Teilnehmenden. Dazu Ihre KI-Richtlinie, falls Sie eine haben. Legen Sie die Unterlagen zur Schulung dazu. Wenn neue Werkzeuge dazukommen oder neue Leute anfangen, ergänzen Sie die Liste.
Wo ein Kurs an Grenzen stößt
Ein Kurs, egal unter welchem Namen, schafft Grundlagen. Routine entsteht erst durch Übung im Alltag. Und kein Kurs ersetzt klare Regeln im Betrieb: Welche Werkzeuge sind erlaubt, welche Daten tabu, wer prüft Ergebnisse?
So fangen Sie an
Fragen Sie im Team, wer KI wofür nutzt. Prüfen Sie dann Angebote danach, ob sie zu diesen Aufgaben passen, nicht nach dem Namen. Und legen Sie heute die Tabelle für die Dokumentation an, auch wenn darin erst eine Zeile steht.
Wenn Sie eine Schulung mit Ihren eigenen Werkzeugen suchen: Meine KI-Schulung für Unternehmen dauert sechs Stunden, läuft virtuell oder bei Ihnen vor Ort und richtet sich nach Ihren Aufgaben.