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Prompts schreiben: sechs Bausteine für gute KI-Anweisungen

Gute Prompts haben sechs Bausteine: Rolle, Aufgabe, Kontext, Format, Ton und Beispiel. Mit Baukasten zum Ausprobieren und Tipps aus den Anleitungen der Anbieter.

Animierte Grafik: die sechs Bausteine eines guten Prompts erscheinen nacheinander, Rolle, Aufgabe, Kontext, Format, Ton und Beispiel, der Kontext ist grün hervorgehoben

„Schreib eine E-Mail an einen Kunden, der auf unser Angebot nicht reagiert hat.“ Das Ergebnis klingt freundlich, glatt und nach niemandem. Kein Wunder: Die KI weiß nicht, wer Sie sind, wer der Kunde ist und was Sie erreichen wollen. Sie füllt die Lücken mit Durchschnitt. Ein guter Prompt schließt diese Lücken. Er hat sechs Bausteine: eine Rolle, eine klare Aufgabe, den Kontext, das Format, den Ton und bei Bedarf ein Beispiel. Das klingt nach Aufwand, sind aber oft nur drei bis vier Sätze mehr. Und es funktioniert in ChatGPT, Claude, Gemini und Copilot gleich.

Warum die KI ohne Kontext rät

Ein Sprachmodell kennt Ihren Betrieb nicht. Es kennt Ihre Kunden nicht, Ihre Preise nicht und Ihren Ton nicht. Anthropic beschreibt das in seiner Anleitung so: Stellen Sie sich die KI als sehr fähige, aber neue Mitarbeiterin vor, die Ihre Abläufe noch nicht kennt. Der Prüfstein dort ist einfach: Zeigen Sie Ihren Prompt einer Kollegin, die das Thema nicht kennt. Wenn sie nachfragen müsste, rät die KI.

Die sechs Bausteine

1. Rolle. Wer soll die KI sein? „Du bist eine erfahrene Kundenberaterin in einer Schreinerei.“ Ein Satz reicht. Die Rolle setzt Fachsprache, Blickwinkel und Tonfall.

2. Aufgabe. Was genau soll herauskommen? Nicht „Hilf mir mit der E-Mail“, sondern „Schreibe eine Nachfass-E-Mail zu unserem Angebot vom 2. Oktober“. Ein Verb, ein Ergebnis.

3. Kontext. Was muss die KI wissen? Wer liest den Text, was ist vorher passiert, was ist das Ziel? Das ist der wichtigste Baustein und der, den die meisten weglassen.

4. Format. Wie soll das Ergebnis aussehen? E-Mail, Stichpunkte, Tabelle, fünf Sätze. Konkrete Angaben schlagen vage: „drei bis fünf Sätze“ statt „eher kurz“.

5. Ton. Wie soll es klingen? Sachlich, freundlich, locker. Wenn Sie siezen oder duzen, sagen Sie es.

6. Beispiel. Ein kurzer Text, der zeigt, wie es ungefähr klingen soll. Das ist der stärkste Hebel für den eigenen Stil. Anthropic empfiehlt für die besten Ergebnisse drei bis fünf Beispiele, für den Alltag reicht oft eines.

Google nennt in seiner Anleitung für Gemini vier dieser Bausteine: Persona, Aufgabe, Kontext und Format. Ton und Beispiel kommen in der Praxis dazu, sobald es um Texte geht, die nach Ihnen klingen sollen.

Bauen Sie Ihren Prompt

Ausprobieren

Prompt-Baukasten: Bauen Sie Ihren Prompt in sechs Schritten

Füllen Sie die Bausteine aus oder laden Sie ein Beispiel. Der fertige Prompt entsteht darunter. Ihre Eingaben verlassen Ihren Browser nicht.

Fangen Sie mit der Aufgabe an.

Ihr Prompt

Noch leer. Füllen Sie mindestens die Aufgabe aus.

Schulung anfragen In der Schulung üben wir das mit Ihren echten Aufgaben.

Vorher und nachher

Zum Umschalten

Derselbe Auftrag, zwei Prompts

Schwacher Prompt

Prompt: „Schreib eine Stellenanzeige für eine Verkäuferin.“

Was die KI daraus macht: eine Anzeige, die auf jeden Betrieb passt. Floskeln wie „dynamisches Team“ und „spannende Aufgaben“, kein Ort, keine Arbeitszeit, kein Grund, sich gerade hier zu bewerben.

Starker Prompt

Prompt: „Du bist Personalreferentin für Handwerksbetriebe. Schreibe eine Stellenanzeige für eine Bäckereifachverkäuferin in Teilzeit, 20 Stunden, keine Nachtschicht. Familienbetrieb mit drei Filialen im Landkreis Rosenheim, feste Schichtpläne zwei Wochen im Voraus, Mitarbeiterrabatt. Kurzer Fließtext, locker, aber höflich, wir siezen.“

Was die KI daraus macht: eine Anzeige mit den Dingen, die Bewerberinnen wirklich interessieren. Sie müssen nur noch nachschärfen, statt neu zu schreiben.

Fünf Kniffe, die viel bringen

Rückfragen erlauben. Schreiben Sie ans Ende: „Wenn dir Informationen fehlen, frag mich zuerst.“ Die KI stellt dann die Fragen, die Sie vergessen haben. Das ist der einfachste Weg, an fehlenden Kontext zu kommen.

Lange Texte oben, Frage unten. Wenn Sie ein Dokument mitgeben, etwa einen Vertrag oder ein Protokoll, setzen Sie es an den Anfang und die Frage ans Ende. Anthropic berichtet aus eigenen Tests von bis zu 30 % besseren Antworten mit dieser Reihenfolge.

Sagen, was sie tun soll, nicht was sie lassen soll. „Schreibe in ganzen Sätzen ohne Aufzählungen“ wirkt besser als „Keine Stichpunkte“. Mit Begründung noch besser: „Der Text wird vorgelesen.“

Im Gespräch nachbessern. Das erste Ergebnis ist ein Entwurf. „Kürzer“, „der zweite Absatz klingt zu werblich“, „nimm das Beispiel mit der Lieferzeit raus“: So kommen Sie schneller ans Ziel als mit einem neuen Prompt.

Gute Prompts speichern. Was einmal funktioniert, gehört in eine Vorlage. In Claude gehen dafür Projekte oder Skills, in ChatGPT eigene Anweisungen, in Gemini Gems, die Google ab November 2026 bei privaten Konten in Skills überführt.

Was Sie sich sparen können

Lange galt „Denke Schritt für Schritt“ als Zauberformel. Viele aktuelle Modelle denken inzwischen von sich aus nach, bevor sie antworten. Anthropic rät deshalb, lieber das Ziel und die Erfolgskriterien zu beschreiben als jeden Schritt vorzugeben. Auch Drohungen, Trinkgeld-Versprechen oder Großbuchstaben braucht es nicht. Klarer Kontext schlägt jeden Trick.

Was ich in Kursen sehe

In meinen Kursen an der vhs Wasserburg, bisher über 20 mit mehr als 130 Teilnehmenden, üben wir genau diese Bausteine. Der Moment, in dem es klickt, ist fast immer derselbe: Jemand gibt zum ersten Mal echten Kontext mit und bekommt einen Text, den er fast unverändert verschicken würde. Diese Aha-Momente erlebe ich in jedem Kurs.

Wo gute Prompts an Grenzen stoßen

Ein guter Prompt macht die KI nicht unfehlbar. Sie kann Fakten erfinden, Zahlen verdrehen und Quellen nennen, die es nicht gibt. Prüfen Sie alles, was nach außen geht. Und achten Sie darauf, was Sie in den Prompt schreiben: Kundendaten gehören nur in Firmenkonten mit passendem Vertrag, nicht in private Konten. Was dabei zählt, steht im Artikel ChatGPT im Unternehmen.

So fangen Sie an

Nehmen Sie eine Aufgabe, die Sie diese Woche ohnehin erledigen müssen: eine E-Mail, eine Stellenanzeige, eine Zusammenfassung. Bauen Sie den Prompt oben mit allen sechs Bausteinen, kopieren Sie ihn in Ihr KI-Werkzeug und vergleichen Sie mit dem, was Sie sonst bekommen.

In meiner KI-Schulung für Teams üben wir das einen Tag lang mit den echten Aufgaben aus Ihrem Betrieb.

Häufige Fragen

Was ist Prompt Engineering?

Prompt Engineering heißt, Anweisungen an eine KI so zu formulieren, dass das Ergebnis passt. Für den Arbeitsalltag reicht meist ein einfaches Gerüst: Rolle, Aufgabe, Kontext, Format, Ton und bei Bedarf ein Beispiel.

Wie schreibe ich einen guten Prompt für ChatGPT?

Sagen Sie, was die KI tun soll, für wen und mit welchem Ziel. Geben Sie den Hintergrund mit, den eine neue Kollegin bräuchte, und beschreiben Sie das gewünschte Format, etwa eine E-Mail mit fünf Sätzen. Dasselbe Gerüst funktioniert bei Claude, Gemini und Copilot.

Muss ich der KI noch „Denke Schritt für Schritt“ schreiben?

Bei aktuellen Modellen meist nicht. Viele denken von sich aus nach, bevor sie antworten. Anthropic empfiehlt inzwischen, eher das Ziel zu beschreiben als jeden Schritt vorzugeben.

Wie lang sollte ein Prompt sein?

So lang wie nötig. Ein Satz reicht für eine einfache Frage. Für eine Kundenantwort oder einen Bericht sind fünf bis zehn Sätze mit Kontext und Format üblich. Lange Dokumente gehören an den Anfang, die eigentliche Frage ans Ende.

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