„Wir wollen einen KI-Agenten.“ Den Satz höre ich oft. Gemeint ist fast immer etwas Bestimmtes: ein Kollege, der Anfragen beantwortet, Berichte zusammenstellt oder Rechnungen weiterleitet, ohne dass jemand danebensitzt. Dafür muss heute niemand programmieren. Es gibt drei Wege: einen Assistenten im Chat-Werkzeug, der Ihre Anweisungen und Unterlagen kennt; einen Agenten am Desktop, der in Ihren Dateien und Programmen arbeitet; und einen Workflow im Hintergrund, in dem ein KI-Agent einzelne Entscheidungen trifft. Welcher Weg passt, hängt davon ab, wo Ihr Team arbeitet und ob ein Mensch dabei ist.
Was einen Agenten ausmacht
Anthropic unterscheidet in seinem viel zitierten Leitfaden zwei Dinge. Bei einem Workflow sind die Schritte vorher festgelegt, die KI arbeitet an bestimmten Stellen mit. Bei einem Agenten entscheidet die KI selbst, welche Schritte und Werkzeuge sie braucht. Die Empfehlung dort: mit der einfachsten Lösung anfangen und nur dann mehr Freiheit geben, wenn es nötig ist. Ausführlicher steht das im Artikel Was sind KI-Agenten?
Weg 1: der Assistent im Chat
Der einfachste Einstieg. Sie legen in Ihrem KI-Werkzeug einen eigenen Bereich an, schreiben feste Anweisungen hinein und laden Unterlagen hoch, etwa Preisliste, Leistungsbeschreibungen oder Ihren Schreibstil.
- Claude: Projekte mit eigenen Anweisungen und Wissen, auch im kostenlosen Plan. Dazu Skills: Anleitungen, die Claude bei passenden Aufgaben selbst lädt.
- Gemini: Gems mit Anweisungen und Dateien. Google überführt sie bei privaten Konten ab dem 17. November 2026 in Skills, bei Business- und Enterprise-Konten frühestens ab März 2027.
- ChatGPT: eigene Anweisungen und Projekte. OpenAI baut sein Angebot gerade um: Den Agent Builder stellt OpenAI am 30. November 2026 ein, die eigenen GPTs sollen laut OpenAI am 11. Dezember 2026 enden und in Plugins übergehen. Die Termine können sich je nach Tarif verschieben.
Ich selbst arbeite mit mehreren solchen Helfern, unter anderem einem Meeting-Protokollanten, einem Illustrations-Designer und einem SEO-Researcher.
Ein solcher Assistent ist noch kein Agent im engen Sinn. Er handelt nicht selbst in anderen Programmen. Für Angebote, Antworten auf häufige Fragen oder Texte im eigenen Stil reicht das aber oft völlig.
Weg 2: der Agent am Desktop
Hier arbeitet die KI in Ihren Dateien und Programmen, Schritt für Schritt, und fragt bei wichtigen Aktionen nach.
- Claude Cowork: bringt die Arbeitsweise von Claude Code in die Büroarbeit, ohne Terminal. Cowork liest und erstellt Dokumente, Tabellen und Präsentationen, nutzt verbundene Programme und den Browser. Wiederkehrende Aufgaben lassen sich planen, etwa ein Wochenbericht jeden Montag. Die laufen laut Anthropic auch, wenn der Rechner zugeklappt ist. Nur in bezahlten Plänen. Mehr im Artikel Claude Cowork.
- Microsoft Copilot Studio: ein grafisches Werkzeug, um Agenten für Teams, Copilot und Websites zu bauen. Naheliegend, wenn Ihr Betrieb ohnehin mit Microsoft 365 arbeitet.
- ChatGPT: OpenAI bietet für Firmenkonten ebenfalls Agenten an, die mit verbundenen Programmen arbeiten. Das Angebot ändert sich derzeit schnell, prüfen Sie den aktuellen Stand.
Weg 3: der Workflow im Hintergrund
Wenn etwas zuverlässig und ohne Menschen am Bildschirm laufen soll, baue ich es als Workflow in n8n. Der Ablauf ist festgelegt: Eine E-Mail kommt an, ein Formular wird abgeschickt, ein Zeitplan startet. An den Stellen, wo es Urteilsvermögen braucht, entscheidet ein KI-Agent, etwa welches Werkzeug er aufruft oder ob ein Fall an einen Menschen geht.
Ein Beispiel ist mein Prototyp Hey Finn: Zeitpläne in n8n schicken Finn regelmäßig los. Er recherchiert Nachrichten, schreibt daraus Beiträge für Blog und Social Media und legt sie in der Social-Media-Planung ab. Wie Sie so etwas Schritt für Schritt bauen, zeigt der Artikel KI-Agent mit n8n bauen.
Welcher Weg passt zu Ihnen?
Entscheidungshilfe
Ihr Weg zum eigenen KI-Agenten: vier Fragen
Beantworten Sie die Fragen für die Aufgabe, die der Agent übernehmen soll.
Beantworten Sie alle 4 Fragen, dann erscheint die Empfehlung.
Agenten besprechen 30 Minuten, kostenlos. Ihre Antworten stehen schon in der Nachricht.
Fünf Bausteine für jeden Agenten
Egal, welchen Weg Sie wählen, diese fünf Dinge entscheiden, ob der Agent hilft oder Ärger macht:
- Ein klarer Auftrag. Eine Aufgabe, nicht „alles rund um den Vertrieb“. Je enger, desto verlässlicher.
- Die richtigen Werkzeuge. Nur die Zugriffe, die er wirklich braucht. Lesen ist harmloser als Schreiben, Schreiben harmloser als Löschen.
- Grenzen. Was darf er nie, etwa E-Mails an Kunden ohne Freigabe verschicken?
- Ein Mensch an der entscheidenden Stelle. Bei Geld, Kunden und allem, was sich nicht zurücknehmen lässt.
- Testfälle. Zehn echte Beispiele aus dem Alltag, bevor er produktiv läuft. Auch die schwierigen.
Wo Agenten an Grenzen stoßen
Agenten machen Fehler, und zwar selbstbewusst. Sie verstehen eine Anweisung falsch, rufen das falsche Werkzeug auf oder lassen sich von Text in einer E-Mail oder auf einer Website zu etwas verleiten, das nicht beauftragt war. Anthropic nennt dieses Risiko bei Cowork ausdrücklich. Deshalb gilt: wenige Rechte, klare Grenzen, Freigabe durch Menschen bei allem, was zählt. Dazu kommt, dass sich die Werkzeuge schnell ändern. OpenAI stellt 2026 gleich mehrere Angebote um. Halten Sie Ihre Anweisungen deshalb als Text fest, dann ziehen Sie mit, wenn das Werkzeug wechselt.
So fangen Sie an
Nehmen Sie eine Aufgabe, die jede Woche gleich abläuft und deren Ergebnis Sie leicht prüfen können. Machen Sie die Entscheidungshilfe oben und probieren Sie den empfohlenen Weg mit einer einzigen Aufgabe aus. Erst wenn das läuft, kommt die nächste.
Wenn der Agent im Hintergrund mit Ihren Programmen arbeiten soll: Ich plane und baue KI-Agenten für Unternehmen, mit einem Menschen an der richtigen Stelle.