Marketing · · 7 Min. Lesezeit

KI-Texte schreiben, die nicht nach KI klingen

Warum KI-Texte oft glatt und austauschbar klingen und wie Sie das ändern: eigener Inhalt zuerst, Stil-Beispiel, Floskel-Check. Und was Google zu KI-Texten sagt.

Grafik: Im Satz „In der heutigen schnelllebigen Welt bietet Ihnen unser Team maßgeschneiderte Lösungen und einen ganzheitlichen Service“ sind drei Floskeln durchgestrichen, darunter die Frage „Würde ich das so am Telefon sagen?“

Zehn Sekunden, und der Entwurf für die neue Über-uns-Seite steht. „In der heutigen schnelllebigen Welt ist es wichtiger denn je, auf einen verlässlichen Partner zu setzen.“ Grammatisch einwandfrei, inhaltlich leer. Und so klingt jede zweite Firmenwebsite. KI-Texte klingen nach KI, wenn die KI nichts Eigenes zu sagen bekommt. Dann füllt sie die Lücke mit dem, was am häufigsten vorkommt: Floskeln, Werbewörter, Dreierlisten. Die Lösung liegt nicht in einem besseren Werkzeug, sondern in der Reihenfolge. Erst kommt Ihr Inhalt, dann der Entwurf, dann die Überarbeitung. Google hat übrigens nichts gegen KI-Texte, nur gegen schlechte.

Warum KI-Texte gleich klingen

Ein Sprachmodell schreibt das Wahrscheinlichste. Ohne Vorgaben ist das der Durchschnitt aller Texte, die es kennt. Und der Durchschnitt einer Unternehmensseite ist eben „innovativ“, „maßgeschneidert“ und „ganzheitlich“. Je weniger Sie vorgeben, desto mehr landen Sie dort.

Typische Zeichen: ein Einstieg, der nichts sagt („In der heutigen digitalen Welt“). Ankündigungen statt Inhalt („In diesem Artikel erfahren Sie“). Werbewörter ohne Beleg. Die Konstruktion „nicht nur …, sondern auch“. Gedankenstriche überall. Und am Ende ein „Fazit“, das alles noch einmal sagt.

Was Google zu KI-Texten sagt

Google hat sich 2023 klar geäußert: Der Einsatz von KI verstößt nicht gegen die Richtlinien. Bewertet wird, ob ein Text hilfreich, zuverlässig und von Fachwissen getragen ist, nicht wie er entstanden ist. Seit März 2024 gibt es aber eine eigene Spam-Regel gegen massenhaft erzeugte Inhalte ohne Mehrwert. Wer hundert KI-Seiten für hundert Orte erzeugt, fällt darunter. Google rät außerdem, KI-Texte vor der Veröffentlichung auf Fakten zu prüfen.

Wie Sie mit Inhalten auch in KI-Antworten auftauchen, steht im Artikel Sichtbar in KI-Antworten.

Warum KI-Detektoren nicht helfen

Werkzeuge, die angeblich KI-Texte erkennen, sind unzuverlässig. OpenAI hat seinen eigenen Detektor 2023 nach wenigen Monaten wieder eingestellt, wegen zu geringer Genauigkeit. Eine Studie der Stanford University hat sieben Detektoren mit Aufsätzen von Nicht-Muttersprachlern getestet. Im Schnitt stuften sie 61 % dieser menschlichen Texte als KI ein.

Die bessere Frage ist deshalb nicht „Klingt das nach KI?“, sondern „Klingt das nach uns, und stimmt es?“.

So schreiben Sie mit KI

1. Inhalt zuerst. Schreiben Sie in Stichpunkten auf, was nur Sie wissen: eine Zahl aus dem Betrieb, ein Kundenfall, eine Meinung, ein Fehler, aus dem Sie gelernt haben. Das ist der Teil, den keine KI erfinden kann und soll.

2. Stil zeigen. Geben Sie zwei, drei eigene Texte als Beispiel mit und beschreiben Sie, was typisch ist: Sie oder du, kurze Sätze, keine Werbewörter. Wie Sie das als Prompt formulieren, steht im Artikel Prompts schreiben.

3. Entwurf schreiben lassen. Jetzt darf die KI ordnen, verbinden und glätten. Mit Ihrem Inhalt und Ihrem Stil im Prompt.

4. Überarbeiten. Floskeln raus, Zahlen rein, jeden Satz fragen: Würde ich das so am Telefon sagen? Laut lesen hilft mehr als jedes Werkzeug.

5. Fakten prüfen. Jede Zahl, jeder Name, jedes Zitat. Die KI erfindet gern plausibel klingende Details.

Für meine eigenen Texte gibt es einen festen Schreibstil mit einer Liste von Wörtern, die nicht vorkommen dürfen. Der Check unten beruht darauf.

Prüfen Sie Ihren Text

Ausprobieren

Floskel-Check: Wie glatt klingt Ihr Text?

Fügen Sie einen Text ein, etwa einen KI-Entwurf, eine Produktbeschreibung oder Ihre Über-uns-Seite. Der Check zählt typische Floskeln und Werbewörter. Ihr Text verlässt Ihren Browser nicht.

Kein KI-Detektor: Der Check sagt nicht, wer einen Text geschrieben hat. Er zeigt nur, wo er nach Schablone klingt. Das kann Menschen genauso passieren.

Schulung anfragen

Muss ich KI-Texte kennzeichnen?

Für die meisten Texte eines Betriebs nicht. Die KI-Verordnung verlangt seit dem 2. August 2026 eine Kennzeichnung bei KI-Texten, die veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Das zielt auf Nachrichten und politische Information. Und auch dort gilt eine Ausnahme: wenn ein Mensch den Text geprüft hat und die redaktionelle Verantwortung trägt. Werbetexte, Produktbeschreibungen und Blogartikel eines Betriebs fallen in der Regel nicht darunter. Unabhängig davon empfiehlt Google, offen mit dem Einsatz von Automatisierung umzugehen, wo Leser das erwarten würden.

Wo KI beim Schreiben an Grenzen stößt

KI kann ordnen, kürzen und glätten. Sie kann nicht wissen, was in Ihrem Betrieb passiert ist, und sie hat keine Meinung, die sie vertreten müsste. Texte, die Vertrauen schaffen sollen, leben genau davon. Bei Fachtexten kommt das Risiko falscher Fakten dazu: Ein Text, der flüssig klingt, wird seltener geprüft. Und ein Wort zur Menge: Wer KI nutzt, um zehnmal so viele Texte zu veröffentlichen, bekommt selten zehnmal so viele Leser.

So fangen Sie an

Nehmen Sie einen Text, der auf Ihrer Website steht, etwa die Über-uns-Seite, und lassen Sie den Floskel-Check darüberlaufen. Schreiben Sie dann drei Stichpunkte, die nur auf Ihren Betrieb zutreffen, und lassen Sie die KI daraus einen neuen Absatz machen. Vergleichen Sie.

In meiner KI-Schulung für Teams üben wir Schreiben mit KI an Ihren echten Texten.

Häufige Fragen

Erkennt Google KI-Texte und straft sie ab?

Google bewertet nach eigener Aussage die Qualität eines Textes, nicht wie er entstanden ist. KI-Einsatz verstößt nicht gegen die Richtlinien. Abgestraft werden Seiten, die massenhaft Inhalte ohne Mehrwert erzeugen, um Rankings zu manipulieren, egal ob mit oder ohne KI.

Kann man KI-Texte zuverlässig erkennen?

Nein. OpenAI hat sein eigenes Erkennungswerkzeug 2023 wegen zu geringer Genauigkeit eingestellt. Eine Studie der Stanford University zeigte, dass Detektoren Texte von Nicht-Muttersprachlern häufig fälschlich als KI-Texte einstufen.

Muss ich KI-Texte kennzeichnen?

Die KI-Verordnung verlangt eine Kennzeichnung bei KI-Texten, die veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, es sei denn, ein Mensch hat sie geprüft und trägt die redaktionelle Verantwortung. Für Werbetexte und Produktbeschreibungen eines Betriebs greift das in der Regel nicht. Im Zweifel klären Sie das rechtlich.

Wie bringe ich der KI meinen Schreibstil bei?

Mit Beispielen. Geben Sie zwei, drei eigene Texte mit und schreiben Sie dazu, was typisch ist: Sie oder du, kurze Sätze, keine Werbewörter. In Claude oder ChatGPT lässt sich das als feste Anweisung in einem Projekt speichern.

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