MCP, das Model Context Protocol, ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten auf Ihre Programme zugreifen. Statt dass jeder KI-Anbieter für jedes Programm eine eigene Anbindung baut, gibt es einen gemeinsamen Stecker. Die offizielle Website vergleicht MCP mit einem USB-C-Anschluss für KI-Anwendungen. Ein Programm, das MCP spricht, nennt man MCP-Server. Ist er einmal angeschlossen, kann Claude, ChatGPT oder ein eigener Agent darüber Dateien lesen, im Kalender nachsehen, im CRM suchen oder einen Workflow starten. Für Unternehmen heißt das: Ein KI-Assistent arbeitet mit den eigenen Daten, ohne dass alles kopiert und eingefügt werden muss.
Woher MCP kommt
Anthropic, der Hersteller von Claude, hat MCP im November 2024 als offenen Standard vorgestellt, gleich mit fertigen Servern für Google Drive, Slack, GitHub und Datenbanken. Danach ging es schnell: OpenAI hat MCP im März 2025 in sein Werkzeug für Agenten aufgenommen, Microsoft im Mai 2025 eine erste Vorschau für Windows 11 gezeigt, Google bietet inzwischen eigene MCP-Server für seine Cloud-Dienste an.
Im Dezember 2025 hat Anthropic MCP an die neu gegründete Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation übergeben, gemeinsam gegründet mit OpenAI und Block. Damals zählte Anthropic mehr als 10.000 aktive öffentliche MCP-Server. MCP gehört damit keinem einzelnen Anbieter mehr.
Wie MCP funktioniert
Es gibt drei Beteiligte:
- Der Host: die Anwendung, in der Sie arbeiten, etwa die Claude-App, ein Code-Editor oder ein eigener Agent.
- Der Client: ein Verbindungsstück im Host, eines pro angeschlossenem Server.
- Der Server: das Programm, das Fähigkeiten anbietet.
Ein Server kann drei Dinge anbieten: Werkzeuge, also Aktionen wie „Termin anlegen“, Ressourcen, also Daten wie Dokumente, und Vorlagen für typische Aufgaben. Manche Server laufen auf Ihrem eigenen Rechner, etwa einer, der einen Ordner lesen darf. Andere laufen im Netz und werden mit einer Anmeldung verbunden.
So sieht das in der Praxis aus:
Schritt für Schritt
Ein Assistent mit drei MCP-Servern
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Auftrag
„Bereite mein Gespräch morgen um 10 Uhr vor.“
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Agent nutzt ein Werkzeug: Kalender (MCP)
Termin morgen 10 Uhr abrufen: Erstgespräch mit der Bäckerei Huber
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Agent nutzt ein Werkzeug: CRM (MCP)
Kontakt Bäckerei Huber suchen: letzte Anfrage, Ansprechpartnerin, bisherige Angebote
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Agent nutzt ein Werkzeug: Ablage (MCP)
Ordner „Huber“ lesen: Angebot vom Frühjahr, Notizen zum ersten Telefonat
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Agent überlegt
Ich habe alles für eine einseitige Vorbereitung. Ich lege sie als Entwurf ab, ändere aber nichts im CRM.
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Antwort des Agenten
„Die Vorbereitung liegt im Ordner Huber: Anlass der Anfrage, offenes Angebot, drei Fragen für das Gespräch.“
Frei erfundenes Beispiel. Angeschlossen sind ein Server für die Ablage, einer für den Kalender und einer für das CRM.
Das Entscheidende: Der Assistent musste für keines der drei Programme eine eigene Anbindung haben. Jedes spricht MCP.
Wofür MCP sich eignet
- Mit eigenen Dokumenten arbeiten: Verträge, Angebote, Protokolle in der Ablage lesen und zusammenfassen.
- Informationen aus mehreren Programmen zusammenführen: Kalender, CRM und E-Mail für ein Briefing.
- Automatisierungen anstoßen: n8n kann selbst als MCP-Server auftreten. Ausgewählte Workflows lassen sich dann von einem KI-Assistenten starten, etwa „Leg den Kunden im CRM an“.
- Software bauen: Code-Assistenten wie Claude Code nutzen MCP, um Dokumentationen, Fehlermeldungen oder Datenbanken einzubeziehen.
Die Grundidee dahinter erklärt der Artikel Was sind KI-Agenten?: Ein Agent ist nur so nützlich wie die Werkzeuge, die er nutzen darf. MCP ist der Standard für diese Werkzeuge.
Was Sie beachten sollten
Die Spezifikation von MCP ist an dieser Stelle deutlich: Werkzeuge können beliebigen Code ausführen und verdienen entsprechende Vorsicht. Bevor ein Assistent ein Werkzeug aufruft, soll der Mensch ausdrücklich zustimmen. Daraus ergeben sich vier Regeln:
- Nur vertrauenswürdige Server. Ein Server aus einer unbekannten Quelle kann Daten abgreifen. Sicherheitsforscher haben 2025 gezeigt, dass sich in den Beschreibungen von Werkzeugen Anweisungen verbergen lassen, sogenanntes Tool Poisoning.
- So wenige Rechte wie möglich. Ein Server, der Rechnungen lesen soll, braucht keinen Schreibzugriff auf die Buchhaltung.
- Bestätigung bei Aktionen mit Folgen. Lesen kann frei laufen, Schreiben, Senden und Löschen nicht.
- Datenschutz mitdenken. Was ein Server an den KI-Assistenten gibt, geht an den Anbieter des Sprachmodells. Für personenbezogene Daten brauchen Sie dort einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Wo MCP an Grenzen stößt
MCP löst das Anbindungsproblem, nicht das Qualitätsproblem. Ein Assistent kann mit den besten Werkzeugen immer noch falsche Schlüsse ziehen. Und nicht jedes Programm hat einen MCP-Server. Für ältere Branchensoftware ohne Schnittstelle hilft auch MCP nicht weiter.
So fangen Sie an
Wenn Sie Claude oder einen anderen Assistenten im Firmenkonto nutzen, schauen Sie in die Einstellungen unter Konnektoren oder Integrationen. Viele gängige Programme lassen sich dort mit wenigen Klicks verbinden. Fangen Sie mit einem lesenden Zugriff an, zum Beispiel auf einen Ordner mit Vorlagen, und erweitern Sie erst, wenn Sie dem Ergebnis vertrauen.
Wenn Sie Ihre Programme mit KI-Assistenten und Agenten verbinden möchten: Ich plane und baue KI-Agenten und Anbindungen, auch mit n8n als MCP-Server.