Eine WordPress-Website wird nicht durch ein Plugin barrierefrei, sondern durch vier Entscheidungen: ein geeignetes Theme, einen sorgfältigen Umgang mit dem Page-Builder, möglichst wenige Plugins und Inhalte, die mit Überschriften und Alternativtexten gepflegt werden. Dazu kommt das Bauteil, das fast jeder vergisst: das Cookie-Banner. WordPress selbst richtet sich nach den WCAG 2.2 auf Stufe AA. Die Barrieren entstehen meist in dem, was man darauf baut. Ich baue Websites seit Jahren mit WordPress, zuletzt die barrierefreie Website der Grundschule Babensham, und prüfe fremde WordPress-Seiten nach EN 301 549.
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Das Theme: die halbe Miete
Das Theme bestimmt Grundgerüst, Navigation, Farben und Schriften. Wenn hier Barrieren stecken, wiederholen sie sich auf jeder Seite. Im Theme-Verzeichnis von WordPress gibt es das Schlagwort „accessibility-ready“. Themes mit diesem Schlagwort müssen 18 Anforderungen erfüllen, darunter:
- ein Sprunglink zum Inhalt und sinnvolle Bereiche wie Kopf, Navigation und Hauptinhalt,
- vollständige Bedienung mit der Tastatur und sichtbarer Fokus,
- ausreichende Kontraste und unterstrichene Links im Text,
- beschriftete Formularfelder und eine saubere Überschriftenstruktur,
- keine unerwarteten Seitenwechsel und ein Hinweis, bevor sich ein neues Fenster öffnet.
Bei Lang Maschinenpark steckte ein Befund genau im Theme: Die Karten ließen sich nicht mit der Tastatur ansteuern. Wer ohne Maus surft, kam an Teile des Angebots nicht heran.
Page-Builder: mit Bedacht
Viele WordPress-Seiten entstehen mit einem Page-Builder wie Divi oder Elementor. Das ist für die Pflege praktisch und nicht grundsätzlich ein Problem. Ich baue selbst mit Divi 5, etwa die Website der Kainz GmbH: gute Kontraste und vollständige Bedienung per Tastatur.
Aber nicht jedes Modul eines Page-Builders ist von Haus aus barrierefrei. Kritisch sind vor allem Menüs, Akkordeons, Tabs, Slider und alles, was sich auf- und zuklappt. Diese Bausteine gehören immer in den Tastaturtest, und manchmal ist ein einfacher, statischer Baustein die bessere Wahl als der animierte.
Plugins: so wenige wie möglich
Jedes Plugin kann Barrieren mitbringen, vom Kontaktformular bis zum Bildergalerie-Plugin. Und jedes Plugin muss gepflegt werden. Die alte Website der Grundschule Babensham lief auf einer veralteten WordPress-Installation mit überbordend vielen Plugins. Beim Neustart war weniger mehr.
Prüfen Sie bei jedem Plugin, das etwas auf der Website anzeigt: Lässt es sich mit der Tastatur bedienen? Sind Formularfelder beschriftet? Werden Fehlermeldungen in Worten angezeigt? Wenn ein Plugin eine Funktion gut barrierefrei löst, ist das oft wertvoller als drei zusätzliche Funktionen.
Manchmal lohnt sich auch ein eigenes Plugin. Für die Grundschule habe ich eines entwickelt, das jede Seite als Audioversion auf Deutsch, Ukrainisch und Ungarisch vorliest. Das ist nicht vorgeschrieben, aber für viele Familien der Weg zu den Informationen der Schule.
Overlays: Finger weg
Overlay-Plugins legen eine Toolbar über die Website, mit der Besucher Schrift vergrößern oder Kontraste ändern können, und versprechen oft „automatische Barrierefreiheit“. Das Versprechen hält nicht. Die Barrieren im Code bleiben, und viele Menschen mit Behinderung haben ihre eigenen Hilfsmittel längst eingestellt.
Mehr als tausend Fachleute haben das Overlay Fact Sheet (öffnet in neuem Tab) unterzeichnet, das genau davor warnt. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC hat 2025 gegen den Anbieter accessiBe eine Strafe von 1 Million US-Dollar verhängt, unter anderem wegen unbelegter Versprechen, Websites WCAG-konform zu machen.
Das Cookie-Banner
Das Cookie-Banner ist oft das Erste, was jemand auf Ihrer Website bedienen muss. Bei Lang Maschinenpark hatte es keinen Fokus-Trap und war im Quelltext weit unten eingebunden. Wer mit der Tastatur unterwegs war, musste erst durch alle Links der Seite, bevor er überhaupt ablehnen oder zustimmen konnte.
Testen Sie Ihr Banner so: Seite neu laden, Tab drücken. Der Fokus sollte im Banner landen, beide Knöpfe sollten erreichbar und beschriftet sein, und nach der Auswahl sollte der Fokus sinnvoll auf der Seite weitergehen.
Inhalte: die tägliche Arbeit
Das beste Theme hilft nicht, wenn Inhalte ohne Struktur eingepflegt werden. Wer Seiten pflegt, sollte drei Dinge können: Überschriften in der richtigen Reihenfolge setzen, Bildern einen beschreibenden Alternativtext geben und Linktexte schreiben, die sagen, wohin sie führen. Bei der Grundschule Babensham gab es deshalb zum Abschluss eine Einführung für das Kollegium.
Wo die Grenzen liegen
Eine barrierefreie WordPress-Website ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe. Jedes Update eines Plugins, jede neue Seite und jeder neue Baustein kann eine Barriere einführen. Planen Sie deshalb nach größeren Änderungen einen kurzen Test ein und mindestens einmal im Jahr eine gründlichere Prüfung. Wie Sie selbst testen, steht in den zehn Prüfungen zum Selbermachen.
So fangen Sie an
Machen Sie mit Ihrer Startseite den Tastaturtest: Maus weg, nur Tab, Umschalt und Tab, Enter. Kommen Sie durch Menü, Cookie-Banner und Kontaktformular? Wenn nicht, wissen Sie, wo Sie anfangen.
Wenn Sie Unterstützung möchten: Ich prüfe und verbessere WordPress-Websites nach EN 301 549 und baue neue barrierefrei, auf Wunsch mit Hosting und Wartung.